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Tag 22 · Etappe 17

Huelva → Mazagón

Durch die Pinienwälder von Huelva

22. Februar

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5 Min. Lesezeit
33,1 km
88 mAnstieg
36 mAbstieg
65 mhöchster Punkt
6 h 27in Bewegung
☀️ 20 °CWetter

Wir starten gut in den Tag, mit einem kräftigen spanischen Hotelfrühstück. Heute haben wir es mit dem Aufbruch nicht so eilig, weil wir das Zelt nicht abbauen müssen. Außerdem haben wir ‚nur‘ eine Etappe von 24 Kilometern bis zum nächsten Campingplatz geplant. Um Viertel vor neun sind wir wieder unterwegs und laufen aus dem Zentrum von Huelva hinaus. Nachdem wir von Sagres bis hierher Richtung Osten gelaufen sind, biegen wir jetzt nach Süden ab, Richtung Tarifa, das gut 250 Kilometer weiter liegt. Huelva hat sich gestern Abend als schöne Stadt entpuppt. Man sieht, dass es eine alte, wohlhabende Hafenstadt ist. Mit rund 150.000 Einwohnern ist es auch die größte Stadt, durch die wir bisher gekommen sind. Neben dem Hafen gibt es im Süden der Stadt auch viel Industrie, darunter Stahl- und Chemieindustrie. Die wird mit Wasser aus dem Kanal versorgt, an dem wir gestern den größten Teil des Tages entlanggelaufen sind. Heute laufen wir den größten Teil des Tages an dieser Industrie entlang. Anfangs noch über eine schön angelegte Promenade, später an einer stark befahrenen Straße. Die riesigen alten Gebäude der Stahlindustrie mit ihrem Gewirr aus Förderbändern, Rohrleitungen und Kühltürmen sind ziemlich hässlich, haben aber auch etwas Faszinierendes.

Bis zur Rio-Tinto-Brücke laufen wir an diesen Gebäuden entlang. Kurz bevor wir auf die Brücke gehen, kommen wir an einem großen Kolumbus-Denkmal vorbei. Die Stadt nimmt für sich in Anspruch, dass Kolumbus 1492 von diesem Hafen aus aufbrach, um über den Westen Indien zu finden. Die Umgebung des Denkmals wird gerade renoviert, aber Kolumbus steht stattlich da. Die Straße über die Brücke ist eine große vierspurige Straße mit Leitplanken und einer Bahnlinie auf der anderen Seite. Wir müssen kurz suchen, aber auf der Seite des Denkmals ist zwischen Leitplanke und Zaun ein schmaler Streifen von vielleicht 70 Zentimetern zum Laufen frei gelassen. An den Verkehrsschildern passe ich mit dem Zelt auf dem Rucksack seitwärts gerade so dazwischen. Es ist die Brücke schlechthin zum größten Chemieindustriepark Spaniens. Über diese Brücke rollt also ein Lastwagen nach dem anderen. Immer wieder donnern sie mit hohem Tempo in nicht mal einem Meter Abstand an uns vorbei. Was für eine Gewalt! Sicher auf der anderen Seite der Brücke angekommen, laufen wir auf das Chemiegelände, über lange breite Straßen, vorbei an großen weißen Silos und riesigen Hallen. Dieses Gelände ist ein ganzes Stück neuer als die Industrie auf der anderen Seite der Brücke und, was den Verkehr angeht, zum Glück deutlich ruhiger. Wir laufen auf dem Asphalt und, wo es geht, auf dem Randstreifen, damit es für die Füße etwas weicher ist. Hier und da werden Lastwagen be- oder entladen, die Fahrer arbeiten oder plaudern bei ihren Wagen. Mit unseren Rucksäcken fühlen wir uns zwischen all der Industrie und Betriebsamkeit ziemlich fehl am Platz. Ganz am Ende des Geländes liegt ein großer Hafen mit Fähren zu den Kanarischen Inseln. Dort könnten wir das Industriegebiet verlassen und an den Strand gehen, für die letzten Kilometer durch die Dünen und über den Strand nach Mazagón, wo der Campingplatz liegt. Von einer großen Kreuzung aus sind es noch 5 Kilometer an einer schnurgeraden vierspurigen Straße entlang, bis hinter den Hafen. Auf der einen Seite stehen immer noch riesige Hallen, auf der anderen ein Zaun. Wir denken uns zuerst nicht viel dabei, denn hinter dem Zaun liegt ein Naturschutzgebiet, und die werden öfter mal eingezäunt.

Aber gegen Ende ist der Zaun immer noch da, und alle 100 Meter hängen Kameras, mit Schildern, dass das Betreten dieses Gebiets eine Strafe von bis zu €30.000 nach sich ziehen kann. Aiii, das sieht nicht gut aus. Vergeblich hoffen wir, dass am Hafen eine Straße oder ein Weg entlangführt, aber alles ist viel zu gut abgesperrt. An den Toren ist niemand zu sehen, also schwingen wir uns, nachdem wir eine Weile bei den Rucksäcken gesessen haben, die Dinger wieder auf den Rücken. Um die 5 Kilometer zurück zur Kreuzung zu laufen und dann, Luftlinie 100 Meter landeinwärts, an einer diesmal sehr wohl stark befahrenen Straße die 5 Kilometer noch einmal Richtung Mazagón zu laufen. Dadurch wird die Etappe am Ende doch noch locker über 30 Kilometer lang. Kopf ausschalten und einfach immer einen Fuß vor den anderen setzen. Ab und zu halten wir an, um etwas zu trinken oder einen Apfel zu essen, und wir sind froh, als wir endlich von der Straße herunter und in die Dünen können. Das fühlt sich für die Beine sofort viel besser an. Erstaunlich, wie viel Energie man wieder bekommt, wenn man nach so einem langen Stück auf Asphalt durch die Natur läuft! Es sind noch ungefähr 7 Kilometer, also schnell noch eine letzte (und eigentlich die erste richtige) Pause und dann noch 2 Stündchen weiter. Es ist kurz nach sechs, als wir am Campingplatz ankommen, und der entpuppt sich als echtes Juwel! Wir bauen unser Zeltchen mit Blick auf den Ozean auf. Beim Abendessen sehen wir die Lichter der Schiffe auf dem Wasser schaukeln. Ein herrlicher Abschluss dieser doch ziemlich bizarren Etappe. Morgen erst mal Ruhe…

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