Auf der heutigen Etappe bleiben wir noch im Landesinneren. Wir haben eine schöne Route von Lepe nach Huelva gefunden, die nicht allzu sehr an großen Straßen entlangführt. Da es heute mehr als 30 Kilometer werden, stehen wir schon um zehn vor acht mit den Rucksäcken auf dem Rücken draußen, startklar. Ziemlich schnell sind wir auf der alten Bahntrasse. Es wird gerade erst ein bisschen hell; das ist eine Stunde später als in Portugal. Gleich ein schönes Stück an Ländereien und sandigen Böden entlang. Viele Häuser außerhalb der Orte haben Wachhunde auf ihren gut eingezäunten Grundstücken. Das sind dann auch gleich so um die fünf, und meistens ziemlich große. Sie machen ihren Job gut und tun lautstark kund, dass wir ihnen nicht zu nahe kommen sollen… Wir erschrecken uns ab und zu ganz schön, wenn wieder ein paar auf den Zaun zugeschossen kommen. Aber meistens geht es hier auf dem Land deutlich friedlicher zu. Wir sehen Kaninchen über die Wiese hoppeln und werden öfter von einem Wiedehopf begleitet. Er hat einen schönen Ruf, der uns ein bisschen an den Kuckuck erinnert, der uns letztes Jahr durch die Ardennen geführt hat. Ab und zu sehen wir den Wiedehopf auch von Ast zu Ast fliegen. Mit seiner schönen Haube und dem langen Schnabel ein gut erkennbarer Vogel. Die Sonne zeigt sich immer öfter, und es wird schon ordentlich warm.
Nach dem Örtchen Cartaya verlassen wir die Bahntrasse und folgen von hier aus einem Kanal: dem Canal del Piedras, also dem Steinkanal, der Süßwasser in einer Betonrinne vom gleichnamigen Stausee nach Huelva leitet. Inzwischen haben wir 15 Kilometer in 3 Stunden geschafft. Auf der Karte sehen wir, dass wir uns schon der Hälfte der Strecke nähern, also wird es Zeit für eine Pause. Der Kanal fließt bald von der Straße weg in die Natur, und wir finden ein schönes Plätzchen in der Sonne für unsere Stühlchen. Nach dem ‘break’ laufen wir ein langes Stück durch die herrlichen Wälder, die so typisch für diese sandigen Böden sind. Nadelbäume, gelber und weißer Ginster und die zartlila Romulea Bulbocodium. Ein winziges Blümchen aus der Familie der Schwertliliengewächse, das hier auf dem Boden der trockenen Wälder häufig vorkommt. Wir kannten es noch nicht. Auf der einen Seite des Kanals verläuft ein kleines Asphaltsträßchen, auf der anderen ein sandiger Waldweg. Nachdem wir eine Weile auf dem Asphalt gelaufen sind, entscheiden wir uns doch für den Sandweg, der ist etwas weicher für Füße und Gelenke. Es läuft sich herrlich, und der Weg bringt uns schnell nach Aljaraque. Wir gehen durch das Städtchen, um auf der anderen Seite die uns schon vertraute Landschaft zu suchen. Ein Feuchtgebiet, das sich bis zum Fluss Odiel zieht. Den müssen wir über eine lange Brücke nach Huelva überqueren. Aber… Als wir an der Brücke ankommen, stellt sich heraus, dass sie gerade saniert wird und für Verkehr und Fußgänger gesperrt ist. Die Brücke daneben ist nur für den Verkehr, zu Fuß kommt man da nicht rüber. Wir versuchen es noch am Ende der Landzunge, auf der wir stehen, aber dort gibt es nur einen Kanuclub. Mit unserem gebrochenen Spanisch und ihrem gebrochenen Englisch wird uns klar, dass es keine Möglichkeit gibt, zu Fuß nach Huelva zu kommen. Echt ärgerlich, denn um die Bucht herum zur nächsten Brücke zu laufen, ist wirklich keine Option. Die einzige Möglichkeit ist, zurück nach Corrales zu laufen und den Bus auf die andere Seite zu nehmen. Es ist schon nach 17 Uhr, aber zum Glück fährt der Bus noch. Er bringt uns knapp 5 Kilometer weiter, bis auf die andere Seite der Brücke. An der ersten Haltestelle drüben zeigt uns eine freundliche Dame den Weg zum Hotel. Nach dieser langen Etappe sind wir froh, als wir eine Viertelstunde später ankommen. Es ärgert uns schon ziemlich, dass wir die Überquerung mit dem Bus machen mussten, aber wir sind froh, dass wir den Beinen mal eine Pause gönnen können. Bisher ist Spanien ein Land voller Überraschungen… ;-)








