Nach zwei herrlichen Tagen auf unserem Campingplätzchen mit Meerblick brechen wir heute Morgen zu einer Etappe auf, die fast komplett über den Strand führt. Gegen halb neun verlassen wir den Campingplatz und gehen über Treppchen und Holzstege hinunter in den Sand. Der Küste werden wir bis zum Badeort Matalascañas folgen, rund 26 Kilometer weiter. Die Sonne steht gerade über dem Horizont, und es ist heute Morgen unerwartet klar. Regen war angesagt, aber wie es aussieht, fällt der weiter weg. Ein schönes langes Stück Strand liegt vor uns. Es sind ein paar frühe Spaziergänger unterwegs, vor allem aber viele Angler hier auf dem ersten Stück. Hohe Angelruten stecken im Sand. Wir würden drunter durchpassen, aber sicherheitshalber gehen wir doch lieber drum herum. Der Strand ist übersät mit wunderschönen Muscheln. Sich mit Rucksack zu bücken, um sie aufzuheben, ist mühsam, und wir versuchen, ein bisschen Tempo zu halten. Keine Ahnung, wie es für Knie und Knöchel wird, so ein langes Stück durch den Sand zu laufen. Aber es war gerade Hochwasser, und auf dem harten Sand läuft es sich prima. Nach ein paar Kilometern begegnet uns niemand mehr.
Wir sind allein auf dem breiten Strand, mit dem Tosen der Wellen und ein paar vorbeifliegenden Möwen. Herrlich, allein über so einen weiten Strand zu laufen. Die Aussicht vor uns verändert sich kaum, die Zeit scheint kurz stillzustehen. Und trotzdem kommen wir mit den Kilometern gut voran. Wir schauen zurück und sehen in der Ferne immer noch die hohen Kräne im Hafen der letzten Etappe. Gegenüber davon liegt Punta Umbria, ein Hafenstädtchen, bekannt durch Operation Mincemeat und den neuen Kinofilm darüber. Das ist der Strand, an dem im 2. Weltkrieg der Brite angespült wurde, um die Nazis hinters Licht zu führen. Vor uns sehen wir langsam in der Ferne den Anfang von Matalascañas, obwohl wir erst die Hälfte der Strecke geschafft haben. Nach 15 Kilometern machen wir eine ausgiebige Pause am Fuß der hohen gelb und rot gefärbten sandigen Klippen, die auf diesem Abschnitt wieder ordentlich über das Meer aufragen. Schön in der Sonne, mit Blick aufs Meer, kochen wir uns mit dem Brenner einen Kaffee und genießen unser Brot. Das ist wieder so ein Moment, in dem wir uns unglaublich glücklich schätzen, dass wir das zusammen machen können! Genießen...
Nach der Pause kommen Beine und Füße erst schwer in Gang, aber schnell haben wir unser Tempo wieder. Je näher wir Matalascañas kommen, desto mehr Angler, Spaziergänger und Radfahrer begegnen uns. Außerdem fliegt ein Parasailer nach dem anderen zwischen uns und den Felsen vorbei. Ein schönes Plätzchen, um am Samstag zu fliegen! Im Städtchen angekommen, laufen wir an großen Hotels und Apartments an einer kleinen Promenade entlang. Im sechzehnten Jahrhundert wurde hier von König Philipp II. ein umgedrehter Turm in den Sand gebaut, der Torre la Higuera, ein Wehrturm gegen die türkischen und nordafrikanischen Seeräuber, der immer noch zu sehen ist. Alle weitere Bebauung stammt aus den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Der weitere Ausbau dieses Touristenorts wurde gestoppt, weil der Ort vom Naturschutzgebiet Doñana umgeben ist. Ein großes Feuchtgebiet, an dem wir morgen entlanglaufen. Heute sind wir doch ziemlich froh, dass die Etappe hier geschafft ist. Das Laufen über den Strand ist herrlich und gut machbar, solange man auf dem harten Sand bleibt, aber es ist schon etwas anstrengender für Muskeln und Sehnen, die man sonst nicht so viel benutzt. Aber absolut lohnend!








