Die Etappe, die heute vor uns liegt, führt wie gestern fast komplett über den Strand. Am Ende dieses langen Strands gibt es eine Fähre, die über den Fluss Guadalquivir nach Sanlúcar de Barrameda übersetzt. Jedenfalls sollte es die geben. Google zeigt eine Fähre an, man findet ein paar Bewertungen, und jemand auf dem Campingplatz hat erzählt, dass für Angler ein Bötchen hin- und herfährt. Aber es gibt keine Website und keine Fahrzeiten. Es fühlt sich ein bisschen wie das schwache Glied in unserer Planung an, denn wenn sie nicht fährt, haben wir ein ziemliches Problem. Zurücklaufen geht nicht, und man hat uns gewarnt, dass Wildcampen kontrolliert wird, weil es ein Naturschutzgebiet ist, vor allem aber, weil hier wegen der Abgelegenheit dieses Strandabschnitts viele Boote mit afrikanischen Flüchtlingen ankommen. Wir haben keine Lust auf eine wütende Guardia Civil, und erst recht nicht darauf, in noch unangenehmere Situationen zu geraten. Außen herum zu laufen bedeutet einen Umweg von unglaublichen 160 Kilometern, fast über Sevilla. Einmal ganz um das riesige Naturschutzgebiet Doñana herum.... Also eben früh los und auf ein bisschen Glück hoffen und auf Wochenendangler, die auch das Boot nehmen. In aller Frühe verlassen wir Matalascañas. Um Viertel nach sieben stehen wir im Dunkeln auf der verlassenen Promenade. Der können wir den ersten Kilometer bis zum Ende des Städtchens folgen, wo wir an den Strand gehen.
Das Wasser steht noch am höchsten, also starten wir im weichen Sand. Es ist ganz schön mühsam, das Tempo zu halten, but we've got a ferry to catch ;-) Als es hell wird, färbt sich der Himmel von Dunkelblau zu Tiefrot, gefolgt von einem herrlichen Sonnenaufgang. Wir kommen an einem Angler und einem Spaziergänger mit Hund vorbei, sonst begegnet uns an diesem Strand niemand mehr. Nur ein paar Kleinbusse des Naturschutzgebiets Doñana fahren vorbei. Sie rasen mit hohem Tempo über den Strand. Einige leer, also hoffen wir, dass sie Touristen an der Fähre abholen. Nach etwa zwei Stunden ist das Wasser niedrig genug, um bequem über den harten Sand zu laufen, ohne ständig vor einer Welle wegrennen zu müssen, die ein ganzes Stück höher kommt als die anderen. Das läuft sich viel besser, und die Kilometer vergehen schnell. Vor allem auch, weil nicht so viele Muscheln herumliegen: deutlich weniger Ablenkung also! Es ist wieder ein breiter, langer Strand, und sobald es richtig hell ist, sehen wir in der Ferne schon die Häuser, zu denen wir heute laufen. Während wir gestern den ganzen Tag an Klippen entlanggelaufen sind, sind heute landeinwärts wirklich nur Dünen zu sehen. Sie trennen das Meer vom Naturschutzgebiet Doñana, von dem wir leider nichts sehen können; die Dünen darf man von dieser Seite aus nicht betreten. Es soll dort aber sehr schön sein, ein Grund, noch einmal wiederzukommen. Wir kommen gut voran und machen nach 20 Kilometern eine ordentliche Pause, danach sind es nur noch 12 bis zur Fähre. Kurz nach der Pause sehen wir am Strand etwas Großes, Schwarzes liegen. Wir schauen nach und sehen, dass es ein angespülter Großer Tümmler ist. Seit Etappe 1 schauen wir vergeblich aufs Meer, in der Hoffnung, einen Delfin oder Wal zu sehen. Schade, dass wir dem ersten so begegnen müssen...
Wir laufen weiter, und es läuft gut. Das Wasser hat jetzt ungefähr seinen niedrigsten Stand erreicht, und der Strand ist noch breiter. Auf den letzten Kilometern sehen wir Angler am Wasser. Wir fragen nach der Fähre, und sie sagen, dass sie weiter vorne abfährt. Zum Glück, das sieht gut aus! Kurz darauf sehen wir in der Ferne eine kleine Gruppe Leute an Bord gehen, das Boot legt ab und kommt nicht viel später wieder auf unsere Seite zurück. Als wir an der Stelle ankommen, legt es gerade wieder an, und wir können fast sofort an Bord. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Auf der anderen Seite ist am Kai mächtig was los. Es ist ein sonniger Sonntagnachmittag, und die Straßen sind voll. Seltsam, nach ein paar Tagen auf den leeren Stränden. Noch eine Viertelstunde, und wir sind an unserem Hotel. Wir haben es geschafft, wir sind drüben!







