Vor zwei Etappen hatten wir die bisher längste Etappe, heute steht vielleicht die kürzeste an. Es ist nur ein kleines Stück von ungefähr 11 Kilometern von Montejaque bis Ronda. Nach einem gemütlichen Frühstück verlassen wir das Dorf. Auch das ist wieder ein Pueblo Blanco, also gehen wir vom Dorfplatz mit seinen Orangenbäumen und Palmen durch die blitzweißen Gassen in der strahlenden Morgensonne. Heute ist Markt, für so ein Dörfchen ist also ganz schön was los. Nach einem kurzen Abstieg stehen wir vor einem Zickzackweg hinauf zum letzten Pass vor der ‚Senke von Ronda‘. Das ist ein großes Tal, auf dessen anderer Seite die Stadt Ronda auf den Felsen liegt. Die Berge der Sierra Grazalema liegen dann hinter uns, und nach diesem letzten Pass wird die Landschaft weiter, mit mehr Bauernhöfen, Dörfern und Ackerland. Aber bevor wir so weit sind, steigen wir hinauf zur Ermita de Montejaque, einer Kapelle oben auf dem Pass. Von dort führt uns die Route weiter an Weiden und Olivenhainen vorbei zwischen den letzten Bergen hindurch. Wir haben einen schönen Blick über das hügelige Tal und sehen Ronda schon in der Ferne liegen. Hier zwischen den Feldern sehen und hören wir unzählige Vögel wie Stieglitze, Schwarzkehlchen und viele Greifvögel. Es ist warm heute, mit Temperaturen von deutlich über 25 Grad, und es gibt wenig Schatten.
Neben dem Weg steht eine große Eiche, unter der wir eine kurze Pause machen. Nach und nach begegnen uns immer mehr Wanderer, und wir tauschen Erfahrungen aus mit einem niederländischen Paar, das auch zum ersten Mal hier ist, und etwas später mit einem englischen Paar, das eine GR-Route läuft und viel wild zeltet. Ohne Probleme stellen sie ihr Zelt außerhalb der Dörfer auf. Nur genug Wasser zu bekommen ist öfter mal eine Herausforderung. Schön, Ideen auszutauschen.
Die Kilometer vergehen schnell, und es dauert nicht lange, bis wir vor einer gewaltigen Felswand aus gelbgrauem Gestein stehen. Oben drauf sehen wir schöne, klassische Gebäude, stattliche Zypressen und ein paar Aussichtspunkte. Das ist alles, was man hier unten an der Felswand von Ronda sieht, aber es sieht schon beeindruckend aus. Wir gehen ein Stück unten an der Wand entlang, bis wir in eine schmale Schlucht hineinschauen können, mit der Puente Nuevo darüber. Das ist sie: die prächtige neue Brücke über die Schlucht aus dem 18. Jahrhundert, die die Altstadt, die schon so manche Eroberung überstanden hat (durch die Griechen, die Römer, die Mauren, die Nasriden und später die Christen), mit der Neustadt aus dem 15. Jahrhundert verbindet.
Sie ist eine von drei Brücken, aber die markanteste. Ein herrlicher Anblick. Ein Ort, der die Fantasie beflügelt. Wir sind nicht allein. Nach der Ruhe der Berge, wo kaum ein Tourist hinkommt, ist es hier ziemlich voll. Mit Blick auf die Brücke steigen wir steil hinauf in die Stadt, wo wir sehr viel Chinesisch, Niederländisch und Englisch hören. Oben im neuen Stadtteil angekommen, zeigt sich, dass auch der sich wirklich lohnt. Große Gebäude, Plätze mit Bäumen, Ausblicke über Täler und Berge. Mit dem Sonnenschein und all den Touristen fühlt es sich an wie Hochsommer! Wir gehen vom neuen in den alten Teil, wo es noch mehr gemütliche Gassen und Plätze gibt, checken schnell in unserem Hotel ein und schauen uns, nachdem wir von der Wanderung und dem Aufstieg kurz verschnauft haben, die Stadt an. Herrlich, so im Sommer! ;-) Morgen wieder eine längere Tour.









