Um Viertel vor acht sind wir wieder unterwegs. Ronda, das gestern Nachmittag so lebendig und voll war, ist fast menschenleer. Es wird gerade ein bisschen hell, als wir die Stadt auf der anderen Seite verlassen als der, auf der wir gestern hereingekommen sind. Diese Seite ist deutlich weniger malerisch, erst recht so früh. Eine breite Straße mit vielen Betrieben zu beiden Seiten. Wären wir über diese Straße hereingekommen, hätten wir einiges vom Charme verpasst, aber jetzt am Morgen läuft es sich prima, und wir sind schnell aus der Bebauung heraus. Von Ronda bis Sevilla folgen wir einem Pilgerweg, der „Via Serrana“. Schon bald sehen wir ein schönes Schild mit dem Namen und der bekannten Muschel. Ansonsten ist die Route vor allem mit einem gelben Pfeil markiert. Wir steigen von Ronda rund 270 Meter ab und auf der anderen Seite des Tals wieder hinauf. Wir kommen an Weiden vorbei, ab und zu an einem Bauernhof und an ein paar kleinen Dörfern. Und an zwei großen Gebäuden, die der Bauweise nach Hotels hätten werden sollen, jetzt aber prima als Kuhställe dienen. Der Vorteil, so früh zu laufen, ist, dass es noch herrlich kühl ist. Das tut gut, erst recht beim Anstieg. Auf der anderen Seite des Hügels ist es viel ruhiger. Sanft gewellte Felder mit Ruinen alter Ställe und auf den Kuppen noch ältere Ruinen von dem, was einmal Burgen oder große Landhäuser waren. Auf den Feldern blüht schon der Mohn, und wir kommen an einer Allee lila blühender Blauglockenbäume vorbei.
Den Duft der Blüten riechen wir schon von Weitem. Auf der Telefonleitung an der Straße sitzen drei Bienenfresser. Leider sind diese bunten Vögelchen sehr scheu und fliegen weg, bevor wir sie richtig aufs Foto bekommen.
Nach 13 Uhr wird es ziemlich warm, und die Sonne brennt. Wir gehen kilometerweit an Olivenhainen vorbei, mit Abschnitten alter, aber auch frisch gepflanzter Bäume. Etwas weiter kommen wir an einem kleinen Dorf vorbei, das auf der Karte als „Venta de Leche“ eingezeichnet ist. Ein Ort mit dem Namen „Milchverkauf“. Auch auf der Wanderkarte im Dorf steht es so. Seltsam... Eine Milchverkaufsstelle haben wir nicht gefunden, aber die Häuser sind herrlich milchweiß. Wir folgen ein Stück einer asphaltierten Straße, die schnell in einen unbefestigten Weg übergeht. Ab und zu kommen wir an einem Haus vorbei, wo wir jedes Mal von Hunden begrüßt werden. Uns ist inzwischen klar, dass die Hunde in Spanien viel Lärm machen, ansonsten aber ganz entspannt sind. Zum Glück haben wir heute Morgen schon viele Kilometer geschafft, denn durch die brennende Sonne und den fehlenden Schatten lässt das Tempo etwas nach. Nach etwa 18 Kilometern gehen wir über den letzten Hügel. Ein herrliches Tal liegt vor uns. Rechteckige Felder in allen Schattierungen von Grün, Braun und Sand ziehen sich über die Hügel, so weit das Auge reicht. Es sieht aus wie eine Flickendecke, wie sie früher auf dem Bett lag. Über den Hügeln ragen die höheren Gipfel der Sierras empor, durch die wir die letzten Tage gelaufen sind. Auf der anderen Seite sehen wir Olvera liegen, wo die Iglesia de Nuestra Señora de la Encarnación, also die Kirche Unserer Lieben Frau von der Menschwerdung, über die Häuser hinausragt. Wieder so eine herrliche weiße Stadt. Schon vor Hunderten von Jahren müssen Menschen über diesen Hügel gekommen sein und fast genau diese Aussicht gehabt haben...
Von hier steigen wir zu einem Fluss im Tal ab und nehmen den letzten Anstieg des Tages in Angriff. Wir gehen durch das kleine, aber steile Torre Alháquime. Inzwischen das vierte weiße Dorf heute, aber diese hübschen Orte werden nie langweilig. Noch ein Stück bis Olvera. Der Weg hinein in diese Stadt, die aus der Ferne wie ein Bilderbuch aussieht, ist ein bisschen so wie unser Weg aus Ronda hinaus heute Morgen. Wir kommen an Betrieben und Wohnblöcken vorbei. Wir sind inzwischen 28 Kilometer gelaufen, also sind wir froh, dass wir bald darauf an unserem Hotel ankommen, aber hier fängt der schöne Teil der Stadt erst an. Morgen nehmen wir uns Zeit, uns umzusehen, denn wir bleiben hier einen Tag länger. Wegen der Stadt, und vor allem, um Malous Geburtstag an diesem besonderen Ort zu feiern. Dass das mal Olvera werden würde, hätten wir vor einem Jahr nicht gedacht!










