Vom ummauerten Campingplatz aus überqueren wir eine viel befahrene Straße. Wir laufen ein Stückchen durch die Dünen und nach etwa 50 Metern sind wir schon am Strand. Gestern Abend hat es unerwartet noch ordentlich geregnet, und durch die hohen Wellen und den auflandigen Wind hängt viel Feuchtigkeit in der Luft. Als wir zurückblicken, sehen wir Barbate und in der Ferne die Klippen, an denen wir gestern entlanggelaufen sind, wie sie in den Wolken verschwinden. Vor uns sehen wir nur Strand, Dünen und den Ozean. Nachdem wir eine halbe Stunde an der Flutlinie entlanggelaufen sind, tauchen am Strand im Dunst Kühe auf, die von Weitem eher wie Felsen aussehen. Als wir näher kommen, sehen wir eine große Herde, die am Strand herumläuft und herumliegt. Schon ein ziemlich bizarres Bild. Hinter den Kühen rücken die Hügel, die wir in den letzten Etappen immer im Hinterland gesehen haben, immer näher an die Küste. Die Gipfel sind in Nebel gehüllt, aber es sind schöne, grüne Hänge. Wir folgen der Küste noch ein Stück, gehen kurz ins Dörfchen Zahara de los Atunes, um etwas fürs Mittagessen einzukaufen, und machen auf der anderen Seite des Dorfes Pause mit Blick auf den Ozean. Zum Glück finden wir ein Plätzchen, um das Zelt aufzustellen, denn das haben wir heute Morgen nass eingepackt. Deshalb lassen wir uns richtig viel Zeit.
Und Zeit haben wir heute, die Etappe ist keine 20 Kilometer lang. Nach der Pause laufen wir noch ein kleines Stück über den Strand und müssen dann ordentlich über einen der Hügel klettern, die bis ans Wasser reichen. Vorbei an einigen traumhaften Villen steigen wir zu einem letzten kleinen Strand ab. Von oben war gut zu sehen, dass die Landschaft hier wirklich anders ist. Das Wetter hat inzwischen komplett aufgeklart, und es ist deutlich, dass die recht flache Landschaft mit ab und zu ordentlichen Klippen einer hügeligeren Landschaft Platz gemacht hat. Es sind Ausläufer der Betischen Kordillere, eines Gebirgszugs, der von Nordmarokko aus das Mittelmeer überquert und hier nach Osten zurückschwenkt, nach Südspanien hinein. Unter anderem gehört die Sierra Nevada mit Gipfeln bis weit über 3.000 Meter dazu. Nachdem wir den Strand überquert haben, erhaschen wir einen kleinen Blick darauf. Wir laufen an einem Leuchtturm vorbei einen der Hügel hinauf und biegen dann kurz ins Landesinnere ab, um eine Halbinsel abzuschneiden. Wir laufen durch eine traumhaft grüne, bergige Landschaft mit vielen Nadelbäumen, niedrigen Palmen und einer bunten Vielfalt an Blumen. Was für ein wunderschönes Stück! Oben über den Hügel sehen wir die Ebene liegen, in der das Dorf liegt, in dem wir übernachten werden. Ein grünes Tal, umgeben von Hügeln, und ein traumhafter Strand am Ozean. Mit den marokkanischen Bergen gegenüber ist auch diese Aussicht wie gemalt! Wir laufen im Sonnenschein die letzten Kilometer an grünen Weiden mit Pferden und Kühen vorbei. Im Dörfchen ist fast alles geschlossen, aber unser kleines Hotel hat zum Glück offen. Was für eine traumhafte vorletzte Etappe vor Tarifa! Noch ein Tag Meer...








