Heute haben wir eine kurze Etappe vor uns, von San Fernando nach Chiclana de la Frontera, wo der nächste Campingplatz liegt. Wir können es heute Morgen also ruhig angehen lassen, was richtig Luxus ist, da wir mangels Campingplatz im Hotel geschlafen haben, in dem netten Städtchen mit dem größten Rathaus Spaniens (tja, jede Stadt hat so ihren Rekord ;-)). Es ist schließlich ein gutes Stück nach zehn, als wir an der Straßenbahntrasse entlanglaufen, die über eine breite, schön gepflasterte Straße führt. Es ist Sonntagmorgen, und die Straßencafés sind, wie es sich in Spanien gehört, gut besetzt. Wir laufen aus dem Zentrum hinaus Richtung der alten Brücke über den Caño de Sancti-Petri: die Puente Zuazo. Das ist eine alte Brücke aus dem 15. Jahrhundert mit ein paar verlassenen Häusern daneben. Durch ihre strategische Lage zwischen alten Städten hat eine Brücke wie diese eine reiche Geschichte, etwa eine Plünderung durch die Briten und das Aufhalten von Napoleons Vormarsch. Die Brücke ist jetzt im Ruhestand, denn der motorisierte Verkehr fährt über eine neue Brücke gleich daneben, nur Wanderer und Radfahrer nutzen sie noch. Auf der anderen Seite laufen wir über einen unbefestigten Weg, links von uns Gleise, daneben eine große Straße und Firmen, Geschäfte und die bekannten Fast-Food-Ketten.
Zu unserer Rechten liegt ein großes Feuchtgebiet, wie wir es in den letzten Tagen öfter gesehen haben: eine große Bucht des Ozeans mit Kanälen und viel sumpfigem Land. Auch hier kreisen wieder Möwen, Störche und Flamingos. Die Sonne scheint, aber es gibt ein wenig Schleierbewölkung. Am Himmel entsteht ein einzigartiges Phänomen. Die Sonne mit einem großen Kreis drumherum, als wäre es ein Heiligenschein. Es ist ein Halo, der entsteht, wenn das Sonnenlicht in genau dem richtigen Abstand durch eine Wolke aus Eiskristallen scheint. Perfekt rund und strahlend hell. Wow! Wir laufen Richtung Südosten, also sehen wir ihn langsam entstehen und wieder verschwinden. Sobald der Halo ganz verschwunden ist, verlassen wir das Naturschutzgebiet wieder. Inzwischen sind wir ungefähr 6 Kilometer gelaufen, und es sind noch 7 bis zum Campingplatz. Diese Kilometer laufen wir komplett durch Chiclana de la Frontera. Auf der Karte sieht das Städtchen nach nicht viel aus, und wir hatten noch nie davon gehört, aber wie mehrere Städte, durch die wir in den letzten Etappen gekommen sind, ist auch diese unerwartet groß. Eine lange Straße, auch hier mit einer Straßenbahnlinie, vielen kleinen Läden, Firmengebäuden und schönen kleinen Parks und Brücken. Es ist eine Stadt von Format, und wir durchqueren sie von Nord nach Süd auf dem Weg zum Campingplatz. Yes, zum ersten Mal auf dieser Tour können wir das Zelt auf Gras statt auf Sand aufbauen! Morgen steht wieder ein langer Wandertag auf dem Programm, also lassen wir es heute Nachmittag ruhig angehen.







